AW Crestawald


Der erste Spatenstich an der Festung Crestawald

Während unter den konzentrierten Schlägen der deutschen Wehrmacht die polnische Verteidigung innerhalb nur vier Wochen zusammenbrach,
wurden die Bauarbeiten an der Festung Crestawald aufgenommen. Der Kalender zeigte die letzten Tage des Monats September 1939. Das genaue Datum des ersten Spatenstiches oder der ersten Sprengung kann nicht mehr eruiert werden. Ein offizieller Anlass fand aus Geheimhaltungsgründen nicht statt.

Das Artilleriewerk Crestawald wurde als absolut autarkes Kasemattwerk mit eigener Elektrizitäs- und Wasserversorgung und vor allem als bombensichere, kampfstarke militärische Anlage in einen guten Fels hineingebaut. Die Festung umfasst auf zwei Ebenen Lebensräume für eine 80 bis 90 Mann starke Besatzung , ferner Arbeitsräume für Sanitäter, Maschinisten und Mechaniker sowie Kampfstände für zwei 10,5 cm Befestigungskanonen und 1 Maschinengwehr (das 2. Maschinengwehr wurde erst nach dem 2. Weltkrieg eingebaut). Die beiden Munitionsmagazine boten Stauraum für mindestens je 5`000 Geschosse mit den dazugehörenden Ladungen. In den weiteren unterirdischen Magazinen respektive Behältern konnten Lebensmittel, Trinkwasser und Betriebsstoffe eingelagert werden, die ein Leben und Kämpfen der Besatzung für mehrere Wochen ermöglicht hätten.

 
 
   


Wie wurde damals beim Befestigungsbau vorgegangen?

Bei den Ausbruchsarbeiten stiess man je nach Gebiet auf unterschiedliche Felsqualitäten. Der Rohausbruch war für die Mineure eine einfachere Aufgabe. Deren Kunst und Können zeigten sich erst, wenn die Ausweitung zum endgültigen Profil geschossen wurde. Da führten die zweckmässige Anordnung und Tiefe der Borlöcher, sowie die richtige Stärke der Ladung zum gewünschten Erfolg. Giorgio Lazzarini, damals als Inhaber einer beteiligten Baufirma beim Festungsbau engagiert, berichtet:" Man verwendete Bohrhämmer, die durch eine Druckluftleitung von Kompressoren bedient wurden. Bei kleineren Objekten kam auch noch die weniger leistungsfähige Handbohrung zum Zug. Der Sprengstoff, meist Cheddite, wurde im Profil so geladen und gezündet, dass zuerst der Kern, dann die äusseren Kammern gesprengt wurden . Die Auslösung der Sprengung erfolgte mittels Zündschnur, deren Zündung von Hand erfolgte. Das Ausbruchmaterial wurde mit Kippwagen aus dem Stollen entfernt. Die Wagen wurden von Hand gezogen, Traktoren kamen nicht zum Einsatz. Wenn kein Rollbahntransport möglich war, mussten die Ausbruchstellen mit einem Gerüst erschlossen und das Material an Seilzügen herabgeürlassen werden. Das Ausbruchmaterial wurde meist in der näheren Umgebung deponiert, ohne der Tarnung viel Bedeutung beizumessen. Der Staub war ein grosses Problem, weil nur bei grossen Festungswerken eine Fremdbelüftung mit Frischluft vorgenommen wurde. Holz war ein wichtiges Bauelement, sowol zur Abstützung der ausgebrochenen Gänge wie als Rollen für die Materialtransporte. Deshalb kamen auch Zimmerleute zum Einsatz. Die Baustellen mussten ständig beleuchtet werden, dazu wurden Carbidlampen verwendet. Als Arbeiter durften nur Schweizer Bürger eingesetzt werden, deren Leumund vorgängig von den Bundesstellen überprüft worden war. Die Arbeit war gefärlich, und es gab auch Todesfälle."

Baukosten der Anlage Crestawald. ca. 2,6 Millionen Franken.

Bau:                                                              985`000
Installation :                                                   382`000
Munition:                                                       606`600
Projekt,Bauleitung und Vorarbeiten:               50`000
Panzerung:                                                    176`000
Waffen und Waffenausrüstung:                     359`500
Landerwerb und Etschädigung:                       12`500         


Bewachung - Geheimhaltung - Fotografierverbot

Der Bau der Festungswerke unterstand der strikten Geheimhaltung und dem absoluten Fotografierverbot. 1936 wurde die erste freiwillige Grenzschutzkomanie aufgestellt, die für die Bewachung der Festungsbautätigkeit eingestzt wurde. Mit dem Fortschreiten der Befestigungsbauten wurden weitere 13 Grenzschutzkompanien gegründet, wovon die Angehörigen der Freiw. Gz. Kp XII für die Bewachung der vielen Bausetellen in Graubünden, also auch für Crestawald eingestzt waren.
 
   
 Die Bauarbeiten an der Festung gingen infolge Personalmangels nur sehr schleppend vorwärts, sodass die vorgesehene Bauzeit von einem Jahr nicht eingehalten werden konnte. Es waren doch rund 6`000 Kubikmeter Gestein aus dem Fels herauszusprengen und umfangreiche Maschinen und Ausrüstung zu installieren