AW Vitznau


Die Anlage:

Das Werk Mühlefluh befindet sich auf  einer ca. 8700m² grossen Parzelle (davon ca. 7400m² Waldgebiet) auf einer Höhe von 527 Meter über Meer. Es besteht, kurz gesagt, aus einer Kampfanlage, einer Unterkunftsanlage und einer Betriebszentrale. 2 Kampfstände (K1 & K2) 1 Eingansverteidigungsstand mit dem einzigen Handgranaten-Auswurfkanal und 1 Beobachterstand.  
Übersichtsplan A 2206, Abteilung für Genie und Festungen, Technischer Dienst 2 Kriens. Anlageplan mit den Umbauten von 1949-1959.  

           

 Der Verein Festung Vitznau ist für die Führungen, Restauration sowie Unterhalt der ehemaligen Artilleriefestung zuständig. Da die Festung Vitznau absolut trocken ist und die Aufenthalts- und Schlafräume auf 20° C heizbar sind, können die Angebote ganzjährig genutzt werden. Infos unter www.festung-vitznau.ch   Tel.041 398 00 35


VOM ERSTEN GEOLOGISCHEN GUTACHTEN BIS ZUR ATOMFILTERKAMMER - DIE BAULICHE ENTWIKLUNG DES ARTILLERIEWERKS MÜHLEFLUH


Die ersten Untersuchungen im Zusammenhang mit dem Bauprojekt Mühlefluh sind erst für März 1941 belegt. In einem Gutachten des Geologischen Dienstes der Armee beurteilte Gefreiter Kleiber die Beschaffenheit des Gesteins für einen Kavernenbau als günstig.
«Das projektierte Kasemattwerk Vitznau liegt in einer Nagelfluhrippe des Rigi. Die Nagelfluh der Mühlefluh, die sich mit einer riesigen, bereits seit längerer Zeit verfestigten Betonmasse vergleichen lässt, besteht aus Geröllen, die durch ein kalkiges Bindemittel intensiv verkittet werden.
Die Nagelfluh dre Mühlefluh ist hart und eignet sich gut zum Ausbruch von Stollen und Kavernen. Die  Ausbetonierung beschränkt sich auf Kampfstand, Mannschafts- und Motorenraum sowie die Munitionsmagazine und zwar deshalb, um gegen Feuchtigkeit geschützt zu sein.»


Besonders interessant ist der vom Baubüro des 3. Armeekorps verfasste Lageplan, der diesem Bericht beigelegt wurde (Abb.1)
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Er dokumentiert, dass der effektive Standort und die Anordnung bereits damals feststanden. Dagegen waren die Maschinen- und Unterkunftskaverne  sowie der Zugangsstollen zum Beobachter noch nicht an der definitiven Stelle plaziert; auch die zwei Bunker für die Nahverteidigung des Werkes, die dort eingezeichnet sind, wurden schliesslich an einem anderen Ort gebaut.


Ausschreibung  und Bauvergabe an die «Bauunternehmung Rigi»

Das generelle Bauprojekt, eine erste topografische Aufnahme und die geologischen Berichte hatte das Baubüro des 3. Armeekorps unter der Ägide des Befestigungsbaubüros (BBB) verfasst. Die Detailprojektierung führte letztlich das BBB aus. Dieses konnte insbesondere durch den Bau von Artilleriewerken der Grenzbefestigung wie Reuenthal  Pré Giraud (Vallorbe) oder Heldsberg (St.Margrethen) auf langjährige Erfahrung zurückgreifen. Hauptmann Pfiffner, Ingenieur, leitete die Baustelle zunächst vom Baubüro Rheineck, dann ab anfangs März 1942 vom Baubüro Stans aus - beides Aussenstandorte des BBB.
Bis zum 6. September 1941 erhielten die eingeladenen Baugesellschaften Zeit, ihre Angebote inklusive einer Preisanalyse der Installationspauschalen, eines generellen Bauprogramms und eines Installationsplans einzureichen; als Grundlage hatten sie vom BBB einen Situationsplan und die Normalprofile der Stollen erhalten (Abb.2).
 


 
 


Installations-, Ausbruchs- und Betonarbeiten 1942

Mitte Dezember 1941 begann die Bauunternehmung mit ben Arbeiten auf der Baustelle. weil die Zufahrtsstrasse noch nicht fertiggestellt war, musste zum Transport der Baumaschinen (Kompressoren, Betonmaschinen) und des gesamten Gerüstholzes zunächst ein Schrägaufzug von zirka 200 Meter Länge erstellt werden. Gleichzeitig begann man mit dem Aushub der Zufahrtsstrasse, und dem Voreinscnitt beim Eingang, der Montage der Baracken für die Kantine, die Mannschaftsunterkünfte, das Baubüro, die Schmiedewerkstatt und den Kompressorraum sowie diversen Infrastrukturbauten für das Sprengstoffmagazin, die Transformatorenhütte, die Druckluftleitungen und den Betonaufzug.
Rund einen Monat nach Baubeginn begann man mit den Vortriebstollen. Von diesem Zeitpunkt an wurde die Baustelle bewacht; geheimgehalten werden konnte sie deswegen aber nicht - allein schon wegen den unüberhörbaren Detonationen der Sprengungen !
Da ein reibungsloser Baubetrieb angestrebt wurde, erfolgte der Angriff von zwei Seiten, vom Eingangswerk und von einem Hilfsstollenher. Durch diesen zusätzlichen Stollen , der neben der Kanonenscharte Nr. 2 (K 2) angelegt wurde, sollte der Beton- und Schottertransporte für die beiden Munitionsmagazine (Mu 1 & 2) sowie die Kanonenscharte Nr. 1 (K 1) abgewickelt werden, ohne dass dadurch die Arbeiten bei K 2 beeinträchtigt würden. Mit einfachsten Mitteln wurden die Stollen für das Artilleriewerk Mühlefluh gegraben; mit Stollenhunden wurde das herausgebohrte und -geprengte Material zum Tunneleingang gebracht und von dort auf die nahe Deponie geführt. Obwohl einbrechendes Wasser die Arbeiten verzögerte, verlief der Ausbruch von rund 15 000m³ Fels nahezu reibungslos.
«Der angetroffene Felsen war hart. In 2×10 stündigem Schichtenbetrieb wurde i. M. (im Mittel) ein Vortrieb von 3,70 ml erzielt bei einem Vortriebsquerschnitt von ca. 5,50 m².
Die Bauarbeiten (Ausbruch) wurden stark behindert durch das in den Klüften auftredende Wasser. Im Stollen Mu 1 musste der Bauvorgang einige Zeit umgestellt werden. Beim Regewetter war der Wasserfall gross (bis 1000 lt. Min.)»
Insgesamt wurden rund 3500 m³ Beton, 5000 m³ Sand/Kies und 100 Tonnen Eisen verarbeitet.
Die vorläufige Abnahme der Bauarbeiten  durch das BBB fand am 2. März 1943 statt. Rund 250 000 Arbeitsstunden waren für den Rohbau aufgewendet worden.


Das erste Schiessen.

Am 16. Februar 1943, einen Monat nach Beendigung der ersten Bauphase, fand in Anwesenheit  von Oberst Sturzenegger, dem Artilleriechef des 2. Armeekorps, das Anschiessen der beiden 10,5 cm Befestigungskanonen statt, das aber bald infolge eines technischen Versagens abgebrochen werden musste.
«Auf beiden Geschützen wurde zunächst mit Ladung 3 auf eine Distanz von ca.7 km geschossen. Pro Geschütz 2 Schuss, welche ohne dass etwas aufgefallen wäre, in Ordnung abgingen. Nachher wurde auf dem Geschütz K 2 mit Ladung 6 geschossen. Der erste Schuss hatte zur Folge, dass die Rücklaufbremse versagte, sodass das zurückgeschnellte Rohr nicht mehr vorgeholt wurde. Das Schiessen wurde sofort unterbrochen».

Nachdem die Mängel behoben worden waren, wurde auf den 8. März ein weiteres Versuchsschiessen anberaumt. Diesmal trug die Ladung 6 zwar neun Schuss problemlos in das ca. 17 Kilometer entfernte Ziel im Alpnachersee, doch verursachten die Druckwellen, die durch  die Schussabgabe ausgelöst wurden, erheblichen Sachschaden in der Gemeinde Vitznau: Obwohl die Fenster vorschriftsgemäss geöffnet waren, wurden in den nahegelegenen Häusern Fensterscheiben eingedrückt und Türen beschädigt!


Innenausbau und Errichtung der Nahverteidigungsanlagen 1943/1944

Entgegen des Befehls des Generalstabschefs vom 30. Dezember 1941 wurde beim Artilleriewerk Mühlefluh die dritte Bauetappe (Innenausbau) vor der zweiten (Bau  der Nahverteidigung) angegangen. Nach einem nur dreieinhalbmonatigen Arbeitsunterbruch nahm die Arbeitsgemeinschaft Rigi am 1. Juli 1943 erneut Bauarbeiten auf der Baustelle Mühlefluh in Angriff, diesmal für das Wasserreservoir, den Filter- und Maschinenraum sowie den ganzen Unterkunftsraum.



Die folgenden Bilder habe ich beim Fondue Weekend (25/26.11.06) der Firma Toggenburger aufgenommen.
 
 
 
 
 
   
 


 
 
 
 
 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 
Für ein Kasemattwerk mit 10,5 cm Kanonen sollten pro  Munitionslager (MU 1 & Waffe 6000 Schuss zur verfügung stehen. Mu 2) mit einer Fläche von je 300m² bzw.1600m³ (Mitte der 1970er Jahre waren dort ca. 40 000kg Pulver eingelagert). Die Munitionsstollen und, falls möglich, die übrigen Kavernen, sollten mit einer Mindestüberdeckung von 30 Metern angelegt werden.   
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Für das Artilleriewerk Vitznau wurde beim Bau 1 Mio. für Munition (inkl. 4000 Schuss à Fr. 120.- pro 10,5 cm Bunkerkanone) veranschlagt
 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 


Die Bewaffnung:

Das Artilleriewerk Vitznau war mit zwei sogenannten 10,5 cm Kanonen Ordonanz 1939 auf Ständerlafette ausgerüstet. Ein Kanone kostete Ende 1941 rund Fr. 150 000.- inklusive Panzerung. 18 Kanonen dieses Typs wurden während des Zweiten Weltkriegs in Artilleriewerken des Reduits eingebaut. Das Rohr, dessen Horizontal-Keilverschluss von Hand betätigt wird, wiegt 1260 Kilogramm und ist ein «Lizenzbau der modernen Bofors-Kanone von 1927». Ab 1935 hatte die Schweizer Armee solche mobilen Kanonen gekauft, um den veralteten Bestand der Artillerie aufzudotieren.
Die Ständerlafette, eine schweizerische Kostruktion, war entwikelt worden, um die Schartenöffnung - den verwundbarsten teil der Festung - minimal zu halten.
 


 
Das Art. Werk Vitznau ist mit zwei 10,5 cm Kanonen Ordonanz 1939 (10,5 cm Kan. 39 L 42 SL) mit einer Rohrlänge von 42 Kalibern auf Ständerlafette ausgerüstet.  
 

 
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Dieser Soldat (Lader/Zuträger) entnahm nach erfolgter Schussabgabe, (nach dem öffnen des Verschlusses) die Geschosshülse, und stülbte diese über dir Dampf-Gas absaug Vorrichtung. Ohne diese Dicken Leder-Handschuhe, hätte sich "Dieser" Mann die Finger verbrannt. Durch die Maske wurde die Bedienungsmannschaft mit Frischluft versorgt. (KMS Kolektivmaskenschutz)
 
 
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Betriebszentrale:
  • Maschinenraum.
  • Ventilatioögen.ns - Filter - Raum.
  • Wasserpumpstation ausserhalb des werks (Ortsnetz 300 Lit./Min. und Quelle 150 Lit./Min.
  • 2 Wasserreservoir mit je 25 000 Liter Fassungsverm
Normalerweise wurde die Zentrale mit Fremdstrom (Hochspannung 25 KW) gespeist. Bei Ausfall des Fremstroms wäre der Betrieb mit Eigenstrom fortgesetzt worden, für dessen Erzeugung zwei Diesel-Elektro-Generatoren von je 60 KVA oder 55 KW im Maschinenraum installiert worden waren. Es wäre aber nur ein Generator in Betrieb genommen worden, der andere hätte als Reserve gedient.
Die Dieselmotoren waren für den Antrieb der Generatoren bestimmt. Es handelte sich hier um 4 Zylinder, Zweitakt, gegenläufig, Sulzer Diesel, Typ 4ZG9, 1000 Umdrehungen pro Min., Leistung 85 PS.
Die Tanklager enthielten bis rund 22 Tonnen Brennstoff. Daher war es möglich, bei vollen Tanks einen Dieselmotor während ungefähr 1370 Stunden bei normaler Belastung laufen zu lassen (1945). Eine 24 Volt Gleichstro-Notbeleuchtung für den Maschinenraum schaltete automatisch ein, sobald der Fremd- oder Eigenstrom ausfiel.
 
   
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 


Die Räume wurden mit 4 Ventilatoren be- bzw. entlüftet: Abluftventilator mit einer Leistung von ca. 2800m³/h; Dieselkühlluft-Ventilator mit einer Leistung von ca. 6000m³/h; Zuluftvemtilator mit einer Leistung von ca. 2800m³/h; Ventilator füe klimatisierte und filtrierte Luft mit einer Leistung von 430/1000 bis maximal1400m³/h.
Damit genügend Sauerstoff zugeführt wurde, musste bei Normalbetrieb für jeden (ruhenden bzw. arbeitenden) Mann ca. 40 bis 60m³ Fischluft pro Stunde eingerechnet werden; hingegen hätte bei einem schlimmen Gasangriff auf die Anlage 1 bis 1,5m³ Frischluft pro Mann und Stunde gereicht (reduzierte Kapazität der Aussenluft-Filtration bei einem Gasangriff). Damit wäre der Gehalt an CO² zu einer Konzentration von vier Volumenprozent erreicht worden, der für den menschlichen Körper noch nicht schädlich gewesen wäre (Stand 1945).
 
 
Die bekannten Kampfgase (1945) kamen in Form von Schwebestoffen, Dämpfen und Gasen zur Anwendung. Die Schwebestoffe wären im Nebelfilter «N» durch eine Filtermasse aus Watte zurückgehalten, während alle gas- und dampfförmigen Kampfstoffe, mit Ausnahme von Kohlenoxyd (CO) , im Gas- oder Kohlenfilter «K» durch Aktivkohle aufgenommen worden.
Die Anwendung des Nebelfilters war unbeschränkt, hingegen die des Gasfilters auf ca. 35 Stunden ( von der Kampfgaskozentration abhängig) beschränkt.
 


 

 
 
Zweistöckige Unterkunftsanlage:  
   
  • Kommandoräume.
  • Unterkunftsräume mit Schlafgelegenheiten für 7 Offiziere, 4 höhere Unteroffiziere, 10 Unteroffiziere und 56 Soldaten.
  • Sanitärinstallationen wie 7 Toiletten, 8 Pissoir, 29 Zapfstellen mit kaltem Wasser und 13 Rasier-Steckdosen.
  • Küche und Essräume für 8 Offiziere und 40 Soldaten.
  • Lebensmittelmagazin mit eingelagertem Kriegsproviant für 121 Mann und 54 Tage (ca. 1975: 6600 Essportionen).
  • Sanitätsstation , die aus einem Krankenzimmer mit 8 Betten, einem Badezimmer, einem Untersuchungs-, Sterilisations- und Operationszimmer besteht.
   
 
 
 
 
 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 
 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 

 
 
 
Text Quelle: Das Artilleriewerk MÜHLEFLUH IN VITZNAU 1940 - 1943. Erhältlich am Festungs-Kiosk.

 
 
Nun ist der Rundgang durch das erste Festungs Hotel der Schweiz beedet.
Ich würde den Anlass Jederzeit gerne wiederholen, da wir während des gesamten Aufenthaltes sehr gut durch Zwei Kompetente Festungswächter Betreut wurden. Nicht zu vergessen ist die Serviertochter die uns bis ca 24.oo Uhr mit Geränken und Essen versorgt hatt.